8. Blog Sauschwänzlebahn

Die Sauschwänzlebahn ist eine historische Museumsbahn in Baden-Württemberg von Blumberg- Bahnhof Zollhaus – nach Weizen. Die Luftlinie zwischen den beiden Bahnhöfen beträgt nur 6 km bei einem Höhenunterschied von 231 m. Das Besondere war: Die Anforderung des Militärs Ende des 19. Jahrhunderts einer max. Steigung von 10 Promille für diese strategische Eisenbahn im Schwarzwald! Über viele Tunnel, Viadukte, Brücken und Kehren wurde insgesamt eine Gesamtlänge von 25 km gebaut – also mehr als die vierfache Luftlinie. Aufgrund des Blickes auf diesen Streckenverlauf mit dem Kreiskehrtunnel in Stockhalde erhielt sie den Spitznamen „Sauschwänzlebahn“.

Unternehmen wir gemeinsam eine nostalgische Reise durch eine wunderschöne Natur mit dieser Dampfeisenbahn. Wir starten unsere Reise im Osten im historischen Bahnhof Zollhaus:

Der Sonderzug fährt mit Gebimmel ein. Die Türen der alten vierachsigen Umbauwagen B4yg aus den 50er-Jahren werden noch von Hand geöffnet, unsere vorher reservierten Sitzplätze sind schnell gefunden. Wir – meine Frau Ursula und ich – sind erstaunt über die vielen Passagiere, die an diesem Mittwochnachmittag Ende Juli 2018 mitfahren wollen. Der Zug ist ausgebucht! Wir nehmen Platz im Wagen 1 auf roten Kunstledersitzen, das Fenster wird mit einem kräftigen Ruck heruntergedrückt, es ist sehr warm. Klimaanlagen, wie heute in modernen Reisezugwagen üblich, gibt es nicht – haben wir auch nicht erwartet. Es ist noch Zeit bis zur Abfahrt, unsere Dampflokomotive FK 262, die letztgebaute Dampflok (1954 bei Henschel&Sohn in Kassel) für eine nichtbundeseigene Eisenbahn in Deutschland, faßt noch Wasser – 11 m³. Die Luftpumpe arbeitet kräftig, die Hauptluftbehälter werden gefüllt. Alle einsteigen! Ein lauter Pfiff, die Türen werden zugeschlagen, ein Ruck und los geht die Fahrt.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Die Tenderlokomotive mit der Achsfolge 1D1 zieht den Zug Tender voraus. Die Fahrt führt durch den gut 800 m langen Buchbergtunnel über das Wiesenbachviadukt (Bild oben)  zum Bahnhof Epfenhofen. Jedoch lassen wir uns noch überraschen, wie die Fahrt dorthin genau verläuft. Das Verkaufsteam im Zug versorgt uns zwischenzeitlich mit Getränken und kleinen Snacks. Wir greifen dankbar zu und nehmen 2 alkohlfreie Rothaus Tannenzäpfle-Biere – Prost! Die Lautsprecherdurchsagen erklären uns die Besonderheiten dieser Strecke.Sauschwänzlebahn Epfenhofen - BeschriftungDeutlich zu erkennen ist die Fahrt des Zuges im oberen Bild oberhalb des Bahnhofs Epfenhofen – dann führt eine Kehre um den Ort herum, um anschließend über die große Stahlbrücke in den Bahnhof einzufahren. In 10 Minuten sind 5 Streckenkilometer sowie 47 Höhenmeter seit Zollhaus geschafft! Wir wechseln die Perspektive:OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Blick aus dem Zug zeigt wieder die mächtige Talbrücke, den Ort und die Einfahrt in den Bahnhof Epfenhofen mit seinen markanten Flügelsignalen. Man beachte deren interessante Spiegelung in der Fensterscheibe des Wagens.

Ein kurzer Halt und weiter geht die Fahrt. Nun sehen wir nochmals in Fahrtrichtung rechts oberhalb das Wiesenbachviadukt, welches wir vor knapp 10 Minuten überquert hatten. Die Fahrt geht an Wiesen und Äckern vorbei durch den 540 m langen Tunnel am Achdorfer Weg sowie einer weiteren Kehre zum Bahnhof Fützen. Betriebsmittelpunkt der Strecke mit Bahnbetriebswerk, einem alten Bekohlungskran aus 1934, einer roten Köf und zwei abgestellten ehemaligen Wehrmachtsdiesellokomotiven V36.

Der Bahnhof Fützen liegt 587 m ü.M, das alte Läutewerk rechts neben der Tür kündigt den Zug bereits an.

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Weiter geht die Fahrt über den 153 m langen Talübergang Fützen ins Wutachtal. Gleich kommt der mit Spannung erwartete 1700m lange Große Stockhalde Kreiskehrtunnel.

Er ist der einzige Tunnel dieser Bauart in Deutschland und zugleich der zweitgrößte in Europa sowie der einzige Spiraltunnel der Welt im Verlauf einer Mittelgebirgsbahn, da diese Tunnelform im Allgemeinen sonst nur im Hochgebirge zur Anwendung kommt. Aus dem Vergleich einer solchen Spirale mit einem geringelten Schweineschwänzchen entstand auch der Name „Sauschwänzlebahn“. Für dieses Erlebnis hat sich die Fahrt bereits gelohnt!

Nach knapp 60 Minuten Fahrt erreichen wir den Bahnhof Weizen (471 m ü.M), den Endpunkt der Museumsbahn, die 2014 als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet wurde. Alte Schienenschwellen aus 1898 sind Zeitzeugen. Für die Rückfahrt wird die Lok umrangiert. Viele Fotografen halten dieses Spektakel fest, so auch meine liebe Frau Ursula. Die Dampflok steht nun mit der Rauchkammertür in Fahrtrichtung

– die Rückfahrt kann nach 30 Minuten Aufenthalt beginnen. Wir haben bei dieser Sommerhitze mit kühlem Mineralwasser unseren Durst gelöscht. Ob es noch eine Abkühlung heute geben wird? Die Rückfahrt verläuft unspektakulär, der Himmel zieht sich immer mehr zu. Das eine oder andere Foto wird aus dem Zug geschossen.p1130147p1130152Pünktlich erreichen wir nach 60 Minuten wieder den Ausgangs-Bahnhof Blumberg-Zollhaus. Die Himmelsschleusen öffnen sich, es regnet heftig; die Fahrgäste strömen schnell nach dieser eindrucksvollen Fahrt nach Hause. Dies gilt auch für Wagengarnituren mit Lok.

Die Dampflok hat eine Lz nach Fützen ins Bw, um wieder fit für die morgige Fahrt gemacht zu werden. Wir werden am nächsten Tag mit dem Auto den Zug und die Strecke beobachten und ablichten. Die massive Stahlkonstruktion des Epfenhofener Talüberganges einmal von unten betrachtet – eingleisig – jedoch für das 2. Gleis bereits vorbereitet.p1130966OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch das Navi kennt diese Eisenbahnstrecke, und so finden wir sehr einfach die verschlafenen kleinen Bahnhöfe und Viadukte. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAPlötzlich taucht unerwartet ein anderer Oltimer auf, ein historischer VW Bulli-Feuerwehrwagen.

Unsere interessante, erlebnisreiche Fahrt zur Sauschwänzlebahn geht nun zu Ende – dies zeigen auch die Schlußlichter am letzten Wagen des Zuges an. Auf Wiedersehen!!OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Vielen Dank fürs Lesen – über Kommentare freue ich mich wieder!

Euer Huki – Jürgen

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4 Kommentare zu „8. Blog Sauschwänzlebahn

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  1. Hallo Jürgen,
    da habt ihr eine interessante Reise hinter euch gebracht. Nostalgische Eisenbahnen haben einfach etwas, erinnere mich gerne an die Fahrten in England zurück… 😊😊😊
    Lieben Gruß, Ewald

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